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Bleu StrongRelation JnA 4710 **** Miles' "Aura" was one of the few interesting records he made after "Bitches Brew". Martin Bright. UK-Jazz-Radio
"STRONG RELATION" ist experimentelle Musik ohne verstörendes Moment. Das Album scheint einem jazzaffinem Freaklabor entschlüpft, das aufregend individuell und soundkompetent mit den Möglichkeiten undogmatischer Traditionsverarbeitung jongliert. Ralf Dombrowski aus "LAUT.STARK" (D) - Februar 2010
Frischer Wind
„Dies ist eine großartige Zeit für die Trompete“, konstatierte Dave Douglas. Als einer der Besten seines Fachs weiß er genau, wovon er spricht. Im Windschatten von Chet Baker und Miles Davis wird ein Instrument neu positioniert, das dem humanen Gesang am nächsten ist. In voller Breitseite zwischen spitzen Attacken und schwelgerischer Melancholie meldet sich die nächste Generation. Höchstens dem immer noch und immer mehr anhaltenden Sängerinnen-Boom ist das vergleichbar. Allenthalben neue Namen. Da bedarf es schon originärer Fähigkeiten und unverwechselbarer Konzepte, will man sich im diesem Kontext abheben. Der Österreicher Lorenz Raab (Jahrgang 75) verfügt über beides in ganz außerordentlichem Maß. Auch deswegen hat er es gar nicht nötig, das orthodoxe Thema-Solo-Thema-Ding zu strapazieren oder anderswie unsere Hörgewohnheiten zu bestätigen. Vielmehr flirtet er mit Jazz, Pop und Rock, mit Groove und Beats, mit Klassik und Volksmusik sogar, wie man das so noch nicht gehört hat. Im Ergebnis entsteht etwas unbedingt Zeitgemäßes, das überraschend eingängig ist, originell und unverbraucht. Daheim bekam Raab dafür 2003 und 2004 gleich zweimal den renommierten Hans Koller-Preis, trat auf wichtigen Festivals auf und ist enorm nachgefragt bei den Kollegen. Lorenz Raab wuchs als Sohn eines Kapellmeisters in Oberösterreich auf, heute ist er erster Trompeter der Wiener Volksoper. Unter Granden wie Kent Nagano, Claudio Abbado oder Pierre Boulez praktizierte er Disziplin im Dienste einer Sache. Die Freiheit der Improvisation aber lotet er in eigenen Bands aus, die über die Jahre stabil geblieben sind. Gern besetzt er sie ungewöhnlich. In seiner „:XY Band“ zum Beispiel versammelt er neben sich zwei Kontrabässe, Drums und Zither. Gern führt er das Ganze in die Nähe des Rock und lässt es mit moderner DJ-Technik verfremden. „Zoé“ heißt das Oktett, in dem er seine beiden Bands zusammenführt: :XY und BLEU. Routine und Redundanz sind ihm fremd, deswegen sind seine Projekte so erfrischend neben jeder Szene-Hermetik. Immer neue Klangbilder interessieren ihn. Und man wird lange suchen müssen, will man eine Formation finden, die Überraschendes und wie selbstverständlich Schönes mit so anmutiger Leichtigkeit fusioniert wie sein Trio BLEU. Zehn Jahre schon existiert das Trio mit Drummer und Perkussionist Rainer Deixler und Ali Angerer an Tuba und Dulcimer. Dies ist ihre dritte CD. Immer weiter hat sich das Zusammenspiel verfeinert. Die Besetzung ist unorthodox, was man hört, ist frappierend stringent, von wundervoller Transparenz und Leichtigkeit. Das lässt einem gar nicht erst die Zeit, über die sonderbare Instrumentierung nachzudenken. Diese Musik besteht vom Start weg als Unikat. Und sie vergisst ihren Hörer nicht. Im Gegenteil. Weite Melodieschleifen, haben ihren festen Grund, von dem sie abheben können. Power und Poesie changieren ineinander. Die Atmosphären sind offen, nichts ist zugestellt mit Überflüssigem. Die Dramaturgie ist abwechslungsreich und spannend, ohne je beliebig zu werden. Eins geht aus dem anderen hervor, wird gespeist aus einem Füllhorn kurzweiligen und scheinbar unerschöpflichen Spielwitzes. Das braucht keine revolutionäre Attitüde und ist dennoch neu neben jedem Mainstream. Das ist populäre, klar einleuchtende, ungeschwätzige Musik, die ohne Klischees auskommt. Einerlei ob es zur traumverlorenen Ballade zusammenrückt, von intensivem Groove getrieben wird oder die tiefe Tuba auf die Tube drückt, das öffnet Türen zu neuen Räumen, in denen der Hörer nicht als Fremder steht, sondern sich als staunender Gast umgehend wohlfühlt. Lorenz Raab brilliert auf Trompete und Flügelhorn, er brilliert aber auch als großartiger Gestalter einleuchtender Klangarchitekturen, die ohne Vergleich sind. Diese Souveränität ist berückend und faszinierend. Sie macht diese Aufnahme zu etwas sehr Besonderem, zu einem unverhofften Kleinod, das wächst und wächst mit jedem Hören.
BLEU, das neuformierte oberösterreichische Trio, macht Musik für die Dämmer-, die „blaue“ Stunde. Irgendwo zwischen Tag und Nacht, da ruht der Geist, hängt Gedanken nach, und ist trotz aller introspektiver Melancholie wach und präsent. Lorenz Raab (Trompete/Flügelhorn), Ali Angerer (Tuba/Dulcimer) und Rainer Deixler(Percussion) haben die Assoziationen des Wortes „bleu“ gleichsam mit einem Chill-out-Soundtrack unterlegt, der sich mit ECM-kompatibler Ästherik freilich nicht begnügen will. Es sind flüchtige Stimmungsbilder, rasch hingeworfene Gedanken-Skizzen, die hier das Ohr erreichen, und die unter der Oberfläche doch ein breites Farb- und Stilspektrum andeuten. Angerer legt eimal wirkungsvolle, andächtige Bordun-Töne unter die schlüssigen, lyrisch versponnenen Linien Lorenz Raabs, dann wieder deutet er musikantische Urigkeit an oder gestaltet mettalisch flirrende Sound-Felder am Dulcimer. Rainer Deixler funkige Allusionen, Tabla und Kalimba ins Spiel, trotz aller Reduktion der Mittel entstehen so auch in frei improvisierten Miniaturen („Knave“,“La Linea) interaktiv höchst konzentrierte Klangfarbenmelodien. Insbesondere Lorenz Raab, im Brotberuf Trompeter im Philharmonischen Staatsorchester Bremen, bestätigt seinen Ruf als eines der wichtigsten österreichischen Improvisationstalente seines Instruments. Bleu bedeutet Musik für Leute, die innerlich ruhig sind, und solche, die es werden wollen. Andreas Felber - "CONCERTO" – Jän/Feb 2002
Die Weite des Ozeans oder das unendliche Firmament: Die Farbe Blau ist wohl eine der dominierendsten Erscheinungen der Welt. Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass sich die beteiligen Musiker dieses Phänomen als Namen für ihr Projekt ausgesucht haben. Denn in den Stücken von BLEU trifft man auf weite, flächige Soundscapes, die sich fortdauernd verändern und auf unterschiedlichste Art miteinander in Verbindung stehen bzw. ineinander übergehen. Das Klanggeschehen vermittelt den Eindruck nahezu freischwebender musikalischer Leichtigkeit und traumwandlerischer Logik. Angesichts der mitwirkenden Musiker braucht wohl nicht besonders betont zu werden, dass es sich bei BLEU selbstverständlich nicht im Entferntesten um banale Kaufhaus-Esoterikmusik für derzeit trendige "Reserveyogis" handelt, sondern ganz im Gegenteil unüberhörbar hoher Wert auf detailreiche, hochexpressive und exakt-schlüssige Linienführung gelegt wird. Musik zur aufmerksamen Entspannung und zur entspannten Aufmerksamkeit. Gefühlsbetont und tiefgründig! Thomas Haderlapp - Progammzeitschrift Porgy&Bess
Mit einem bemerkenswerten Konzert in Neustadtl/Donau wartete "Jakob es ist Herbst" auf. Das renommierte, von der Fachwelt in höchsten Tönen gepriesene Trio "Ensemble Bleu" streute am Tag vor dem Nationalfeiertag von Beginn an impressionistische Klangsplitter aus: Keine groben Gesten der Verwegenheit, vielmehr der Versuch, alles Grobstoffliche aufzulösen, zugunsten eines attraktiv schwebenden, lyrischen Klangbildes. Das überaus improvisationsfreudige Ensemble: Lorenz Raab (Trompete, Flügelhorn), Ali Angerer (Tuba, Elektro-Dulcimer) und Rainer Deixler (Schlagzeug, Percussion) begeistert durch die besonnene Art mit Klang und Raum umzugehen, beredte flächige Sounds zu setzen und durch kreativen Spielwitz und mutiger Improvisation außergewöhnliche Akzente hervorzurufen. Die experimentelle, attraktive Privatsprache zeitgenössischer Interpretation wird dabei von den Säulen Spielwitz und Intuition getragen. Leopold Kogler - NÖN 45/2003 |
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